Mein Hund hatte sich den ganzen Abend über seltsam verhalten.
Zuerst dachte ich, er wäre wegen des Gewitters draußen nervös. Der Wind schlug gegen die Fenster, die Lichter flackerten einmal, und die ganze Wohnung wirkte kälter als sonst. Aber dann blieb er mitten im Flur stehen und sah mich mit Augen an, die ich so noch nie bei ihm gesehen hatte.
Er bellte einmal.
Dann noch einmal.
Dann lauter.

„Max, hör auf“, sagte ich müde und verwirrt.
Aber er hörte nicht auf.
Er rannte auf mich zu, bellte mir ins Gesicht, dann drehte er sich plötzlich um und stürmte den Flur hinunter, als würde ihn etwas dorthin ziehen. Ich folgte ihm, mein Herz begann schneller zu schlagen. Er blieb bei einem alten Holzbodenabschnitt stehen, senkte den Kopf und begann wie verrückt zu schnüffeln.
Dann kratzte er am Boden.
Heftig.
„Max… was machst du?“
Er knurrte gegen die Bretter.
Dieses Geräusch ließ mich erstarren.
Mein Hund hatte im Haus noch nie geknurrt.
Bevor ich ihn wegziehen konnte, biss er sich in den Rand einer lockeren Holzplanke und begann mit aller Kraft zu ziehen. Das Holz knackte. Staub stieg in die Luft. Ich fiel auf die Knie und versuchte, ihn zu stoppen, aber dann bemerkte ich etwas.
Die Planke war bereits locker.
Nicht durch Abnutzung.
Sondern so, als wäre sie kürzlich bewegt worden.
Meine Hände begannen zu zittern.
Max zog erneut, diesmal stärker, und die Planke sprang schließlich nach oben. Darunter war ein dunkler, hohler Raum unter dem Boden.
Und in dieser Dunkelheit…
war etwas.
Ich beugte mich näher heran, den Atem anhaltend, genau in dem Moment, als Max noch lauter bellte als je zuvor.
Ich wollte nicht hineinschauen.
Jeder Instinkt in meinem Körper sagte mir, ich solle aufstehen, meinen Hund nehmen und sofort die Wohnung verlassen. Aber ich konnte mich nicht bewegen. Meine Augen blieben an dieser dunklen Öffnung unter dem Boden hängen, in der etwas im Schatten verborgen lag.
Max bellte weiter, aber jetzt klang sein Bellen anders.
Nicht wie eine Warnung.
Sondern wie eine Bitte.
Ich griff nach meinem Telefon und schaltete die Taschenlampe ein. Meine Hand zitterte so stark, dass der Lichtstrahl über Holz, Staub und alte Nägel, die aus dem Boden ragten, flackerte.
Dann fiel das Licht auf etwas, das in schwarzes Plastik eingewickelt war.

Mir wurde schlecht.
Für einen schrecklichen Moment dachte ich, es sei etwas, das niemand jemals in seiner Wohnung finden sollte.
„Was ist das?“, flüsterte ich.
Max trat näher an die Öffnung und knurrte erneut, ging aber nicht auf das Objekt zu. Er stellte sich zwischen mich und das, was dort verborgen war, als würde er mich schützen.
Langsam streckte ich die Hand hinunter und zog an dem Plastik.
Es war schwer.
Zu schwer.
Das Klebeband wirkte frisch. Jemand hatte es schnell und fest versiegelt, als hätte er Angst gehabt, überrascht zu werden. Mein Atem wurde kurz. Die Wohnung wurde plötzlich still, außer dem Gewitter draußen und dem dumpfen Knurren von Max.
Dann sah ich eine Aufschrift auf der Seite des Pakets.
Es war mein Name.
Mein voller Name.
Ich ließ es sofort fallen und stolperte zurück.
Max bellte wieder, lauter, als wüsste er bereits, was ich gerade begriffen hatte.

Was unter meinem Boden verborgen war, war nicht vergessen worden.
Es war dort für mich zurückgelassen worden.
Und genau in dem Moment, als ich mein Telefon nahm, um die Polizei zu rufen, hörte ich ein Geräusch auf der anderen Seite der Wohnung.
Der Türgriff der Eingangstür bewegte sich.
Langsam.
Jemand versuchte hereinzukommen.